Mittwoch, 21. November 2012

Wohin mit dem Kreuz?

Die Münchner Abstimmung zum Semesterticket
von Connie Meyer

Interview mit Johannes Trischler vom AK Mobilität


Vom 21. November bis zum 2. Dezember 2012 können alle Studierende der LMU, der TU und der Hochschule München über das Semesterticket abstimmen. Die CampusZeitung hat mit Johannes Trischler vom AK Mobilität die wichtigsten Fragen zu dem Modell geklärt.

CampusZeitung: Warum gab es in München bisher noch kein Semesterticket - in anderen Städten wie Hamburg oder Berlin aber schon?
Trischler: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen hat das historische Ursachen – es gab schlicht niemanden, der sich dafür wirklich eingesetzt hat. Seit 1992 versuchte das Studentenwerk zu verhandeln. Der AK Mobilität, damals AK Semesterticket, wurde aber erst im Dezember 2004 gegründet und hat sich seitdem kontinuierlich für das Semesterticket eingesetzt. Zudem ist die Struktur in München anders. Viele Studierende nutzen schon den öffentlichen Nahverkehr. Das macht es schwierig, ein günstiges Angebot von den Verkehrsbetrieben zu bekommen. Ein weiteres Hindernis sind die rechtlichen Probleme, die es zum Beispiel bei möglichen Zuschüssen vom Staat geben würde.

Warum gibt es nach dem Scheitern der letzten Abstimmung über das Semesterticket 2009 jetzt wieder ein Votum?
Wir haben weitergemacht, weil das Semesterticket damals nur knapp gescheitert ist. Die Wahlbeteiligung war für Uni-Verhältnisse recht hoch und insgesamt haben über 60 Prozent der teilnehmenden Studierenden ja zum damaligen Vorschlag gesagt. Nur eine knappe Mehrheit an der LMU hat sich gegen das Semesterticket ausgesprochen. Nach unseren Erkenntnissen war vielen Studierenden der Sockelbetrag von 78, 50 Euro beim Angebot 2009 zu hoch. Darum haben wir bei den späteren Verhandlungen vor allem auf eine Senkung von diesem Beitrag geachtet. Wir haben uns auch Alternativen überlegt, zum Beispiel ein privates Busnetz aufzubauen, aber das würde sich nicht rentieren.

Wie sieht das aktuelle Angebot konkret aus?
Der Sockelbetrag, den alle Münchner Studierende entrichten müssten, ist 59 Euro. Damit können sie dann werktags zwischen 18 und 6 Uhr und am Wochenende im Gesamtnetz fahren. Wer das Semesterticket auch tagsüber für die Uni nutzen möchte, muss noch einmal 141 Euro zahlen.

Lohnt sich das Angebot für alle Studierende?
Es ist ein Solidarmodell, deswegen kann es sich nicht für alle Studierende in dem Sinne lohnen. Allerdings gibt es nur eine einzige Gruppe, die bei diesem Modell für ein Semesterticket etwas mehr zahlen müsste: Das sind die Studierenden, die innerhalb der ersten beiden Ringe wohnen und nur drei Monate des Semesters in der Stadt sind. Die meisten anderen profitieren davon. Außerdem kann auch jemand, der nah an der Uni wohnt, einen Mehrwert mit dem Sockelbetrag erzielen, indem er sein Fahrverhalten ändert und zum Beispiel zum Freunde treffen oder für eine Freizeitbeschäftigung das Gesamtnetz nutzt.

Warum kann das Semesterticket nicht mit den Studiengebühren verrechnet werden?
Der LMU-Präsident Bernd Huber hat sich gegen die Verwendung von Studiengebühren für das Semesterticket ausgesprochen. Aber auch ich persönlich halte es für die klügere Strategie, Studiengebühren und Semesterticket zu trennen, und lieber den Sockelbetrag von den Studiengebühren abzuziehen. Zum einen würden sonst die Studierenden, die von den Gebühren befreit sind, auch keinen Solidarbeitrag zum Semesterticket leisten. Zum anderen sind die Studiengebühren wohl sowieso am Verschwinden.

Wenn die Abstimmung erfolgreich ist – wann würde das Semesterticket an den Unis eingeführt?
Aus logistischen Gründen kann das Semesterticket erst zum Wintersemester 2013/14 eingeführt werden.
Viele weitere Infos findest du unter www.semesterticket-muenchen.de


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