Montag, 1. Juni 2015

Musik Review: Unknown Mortal Orchestra - Multi-Love

Ein extrem stimmiges Durcheinander

Ruban Nielson hat mit der dritten LP unter dem Namen des Unknown Mortal Orchestra ein buntes Sammelsurium bestehend aus Psych-Pop, Funk, Soul und R'n'B geschaffen, das sich anfühlt wie ein richtig gutes 70ies-Mixtape. Was aber nicht heißen soll, dass es hier nichts Neues zu hören gibt. Angefangen mit der Produktion, die eine klare Weiterentwicklung zum Lo-Fi Sound  der zwei Vorgängeralben darstellt. Jeder Song strotzt nur so vor kleiner Details, die man bei wiederholtem Hören nach und nach entdeckt. So ist die funkige Single "Can't Keep Checking My Phone" gerade zu ein musikalisches Wimmelbild.

Während die früheren LPs des gebürtigen Neuseeländers eher nüchtern instrumentiert waren, findet sich hier eine Vielfalt von unterschiedlichsten Synthesizern und ausgefallenen Gitarren- und Vocaleffekten, die mal altmodisch, mal modern klingen, aber immer perfekt passen. Diese Eigenschaft trifft im Grunde auf das ganze Album zu: jeder Song ist genau an der richtigen Stelle der Tracklist, und in den Songs hat man, wenn man genau hinhört, das Gefühl, dass jeder Teil des Chaos mit Absicht platziert wurde. So wird man zum Beispiel auf dem Song "Stage Or Screen", der ein bisschen unterzugehen droht, zum Schluss doch noch von einer absolut abrupt auftauchenden psychedelischen Soundlandschaft überrascht, und das vergleichsweise lange "Extreme Wealth And Casual Cruelty" klingt viel kürzer, weil es zuerst von einem Saxophon-Solo(!) und dann von einem, im Vergleich dazu geradezu normal klingenden, stark verzerrten Gitarrensolo unterbrochen wird. 

Alles in allem ist dieses Album allen zu empfehlen, die nach ein  bisschen Abwechslung im Indie-Sumpf suchen, denn Abwechslung bietet Multi-Love, trotz seiner gerade mal 9 Tracks, auf jeden Fall.




von Bruno Wolf

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