Donnerstag, 14. Januar 2016

"12": eine theatralische Auseinandersetzung mit dem Recht auf Leben #blacklivesmatter

(c) Karina Kopp



"Who are we to judge over another human being's life? Are we always so sure of
the 'facts'? And do all lives really matter?" 

Vom 19. - 29. Januar liefert das Theaterstück "12", die neueste Produktion der English Drama Group LMU, Antworten auf diese spannenden Fragen. Das Stück ist eine Anlehnung an Reginald Roses Klassiker "12 Angry Men", wurde jedoch von Azeret Koua, Nathan Bechhofer und Max Stark adaptiert und neu interpretiert.

"Doch was ist, wenn sie die falsche Entscheidung treffen?" 


Die Ausgangssituation des Theaterstückes stellt Protagonisten sowie Zuschauer vor eine schwierige Aufgabe: in einem Gerichtssaal in den USA haben zwölf Juroren einen Tag lang Zeit über das Schicksal eines afroamerikanischen Jungen zu entscheiden, der – angeblich – seinen Vater ermordet haben soll. Doch was ist, wenn sie die falsche Entscheidung treffen? Denn eine Schuldigsprechung bedeutet für den Jungen die Todesstrafe. Das Stück hinterfragt nicht nur gezielt die moralischen Auseinandersetzungen der Juroren, sondern wirft auch ein gnadenloses, kritisches Licht auf den praktizierten Rassismus im US-Justizsystem.

„ An artists duty, as far as I am concerned, is to reflect the times.“


 Regisseurin Azeret – selbst eine afroamerikanische US-Bürgerin – hält die aktuelle Rassismus-Problematik in ihrem Heimatland für "verstörend und relevant". Gerade deshalb hat sie sich für die Produktion dieses provokativen Theaterstückes entschieden. Hierzu zitiert sie gerne Nina Simone: „ An artists duty, as far as I am concerned, is to reflect the times.“ Dass die Thematik des
Stückes keine leichte ist, ist ihr dennoch sehr bewusst: "Die Thematik ist überall auf der Welt sehr emotional geladen, schließlich verspürt ja jeder von uns das Recht auf unser eigenes Leben - egal ob dieses Recht durch Gesetze geschützt ist oder nicht. Allerdings ist die Todesstrafe in Teilen der USA - meine Heimat - legal. In den USA ist es überhaupt nicht so selbstverständlich wie hier in
Deutschland, dass es keine Todesstrafe geben sollte."

 "Jeder der Charaktere enstcheidet auf seine individuelle Art und Weise alles andere als objektiv." 


Die Kritik in "12" gilt dem Justizsystem, aber auch den zwölf Jury-Mitgliedern selbst. Das Stück hinterfragt, wie es sein kann dass zwölf blindwütig ausgewählte US Bürger, die keinerlei juristische Ausbildung haben, im allgemeinen Rechtssystem Entscheidungen von solch einer Tragweite treffen dürfen. In "12" wird diese Problematik aufgefasst, denn "jeder der Charaktere enstcheidet auf seine individuelle Art und Weise alles andere als objektiv". Auch die Schauspieler hatten mit ihren Rollen manchmal ein moralisches Problem. Azeret gesteht, dass "es den meisten zunächst sehr schwer fiel für ihre Figur Empathie zu entwickeln, falls diese die Todesstrafe vertrat, da dies vollkommen im Gegensatz zu ihren persönlichen Einstellungen stand."

Was macht "12" besonders sehenswert? 


Darauf hat Azeret eine klare Antwort: "Natürlich ist das Stück spannend und ernst, aber auch unerwartet lustig – und durch die Dialoge und Energie der Schauspieler wahnsinnig unterhaltsam!" Es ist zudem ein Theaterstück VON Studenten FÜR Studenten, und spricht gerade diese besonders an. Wer darf leben – und wer nicht? Können wir unserer eigenen Wahrnehmung trauen? Und wie wird die Jury sich entscheiden? Wer sich diese spannende, relevante und unterhaltsame Theaterproduktion nicht entgehen lassen will sollte schnell sein – denn erfahrungsgemäß sind die exzellenten Produktionen der English Drama Group schnell restlos ausverkauft!


Karten: Mo-Fr von 12-14 Uhr im Foyer der Schellingstr. 3
Wann: 19.1./21.1./22.1./25.1./28.1./29.1.16 jeweils um 19:30 Uhr
Wo: HS003, Schellingstraße 3, München





von Caroline Giles

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