Samstag, 30. Januar 2016

Jean Paul Gaultier: Bericht von der Ausstellung in der Kunsthalle München



„From the Sidewalk to the Catwalk“ #JPGMUC

 

Kleid Turandot mit Sonnenschirm aus Menschenhaar


Um unsere brandneue Modekolumne einzuweihen, haben wir die Jean Paul Gaultier Ausstellung in der Kunsthalle München besucht. Sie hat am 18. September 2015 eröffnet und  ist  noch bis zum 14. Februar 2016 zu bewundern.



Gleich zu Beginn, noch vor dem eigentlichen Spektakel, begrüßt die Besucher eine wundervolle Abendrobe, eines der wenigen Kleidungsstücke, das man wirklich tragen würde. Wie das eben so ist, bei der hohen Kunst der Schneiderei (= Haute Couture), sind die meisten Bekleidungen nicht für den Alltag gedacht, sondern Kunstobjekte. Die ausgestellten Kleidungsstücke umfassen vor allem Haute Couture Mode oder Prêt-à-porter vom Catwalk und sind in mehreren Räumen zu jeweils verschiedenen „Themen“ zu sehen. Die Ausstellung gibt einen guten Überblick über die Arbeit des Künstlers.

Im ersten Raum, „der Salon“ genannt, sind unter anderem die berühmten Parfum-Falcons zu sehen, welche einen nackten männlichen oder weiblichen Oberkörper darstellen. Dazu der Teddybär des Designers: Bereits in seiner Kindheit hat der am 24. April 1952 geborene Jean Paul Gaultier versucht für diesen Teddybären Kleidungsstücke - beispielsweise aus Zeitungspapier - anzufertigen. Dieser ganze Abschnitt ist eine Anspielung auf seine Kindheit, in der er sich gerne im Schönheitssalon seiner Großmutter aufhielt.

Im nächsten Raum, „Die Odyssee“, findet man Kleider für Männer und Frauen, die für den Artisten typisch nautische Motive zeigen, wie etwa blaue und weiße Querstreifen. Beim Anblick von feminin wirkender Männerkleidung ist bereits zu erkennen, dass er gerne mit Geschlechterrollen spielt und diese auch hinterfragt. Offensichtlich wird dies bei den Kleidern, die er für die österreichische Eurovisions-Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst angefertigt hat. Sogar die barttragenden Puppen sind der Sängerin nachempfunden. Der Künstler bezeichnet sie und andere berühmte Sängerinnen, wie Madonna oder Kylie Minogue als seine Musen. Die Ausstellung zeigt mehrere Roben, die die Popgrößen bei ihren Konzerten oder in Musikvideos trugen und extra von Jean Paul Gaultier angefertigt wurden. Mit zahlreichen religiösen Motiven setzt er hier auffällige Kontraste.
Ein bisschen skurriler geht es im „Großstadt-Dschungel“ zu. Dort erfährt man, dass der Designer gerne mit animalischen Elementen, wie Federn oder Mustern, die wie das Fell eines Tigers ausschauen, arbeitet. Eher Geschmackssache sind Hüte oder Sonnenschirme aus echten Menschenhaaren. Solche Kleider werden in oft mehreren hundert oder sogar tausend Stunden angefertigt.

Kleider für Conchita Wurst


Die Erotik kommt bei der Ausstellung ebenfalls nicht zu kurz. Einer der Räume ist nicht ganz jugendfrei gestaltet und bei manchem Stück mögen sich die Besucher fragen, ob es nicht doch aus dem Sexshop kommt. Andererseits ist die Absicht, Geschlechteridentitäten, Erotik und Nacktheit zu hinterfragen, recht gut sichtbar. Er arbeitet viel mit dem Trompe-l’Œil-Effekt: die Gewänder zeigen das, was sie eigentlich verbergen sollen und wirken wie Tattoos). Das geht sogar so weit, dass darauf Muskelfasern oder Blutgefäße abgebildet sind.

Das Highlight der Ausstellung ist sicherlich der Laufsteg, auf dem sich bekleidete Schaufensterpuppen bewegen. Sie sind einer richtigen Modenschau nachempfunden und eine der Puppen spricht den Text zu den verschiedenen Objekten. Etwas makaber wirken die „Modelle“ mit aufprojizierten Gesichtern, die sprechen.


Der  Laufsteg

Richtig pompös und auffällig wird es zum krönenden Abschluss im Saal mit Brautmode, die weniger tragbar, als eher nur für den Laufsteg gedacht ist. Die Tradition eine Modenschau mit einem Brautkleid zu beenden, wurde in den 1930er Jahren eingeführt und stellt für das Model, welches es trägt, eine besondere Ehre dar.

Brautkleider


Für Mode-Interessierte ist die Ausstellung auf jeden Fall einen Besuch wert, für mich hat es sich wirklich gelohnt hinzugehen. Bonus: als Student zahlt man nur die Hälfte des ursprünglichen Preises (7€ statt 14€).

Weitere Beiträge zum Thema Mode folgen bald!


Redakteur mit Begleitung



Von Thomas Knoll

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