Samstag, 13. Februar 2016

Gretchen mag's mondän – Damenmode in der NS-Zeit





Gretchen mag's mondän? Den ein oder anderen wird diese Aussage wohl stutzig machen, und zwar zurecht. Heute gelten junge deutsche Frauen des Dritten Reichs eher als blonde, biedere, stramme Uniform-Mädels, deren schlichter Kleidungsstil die Rückkehr zum "Brauchtum" symbolisieren sollte. Dass Gretchen und ihre Freundinnen auch Spaß an Schminke und schicker Mode hatten, beweist die aktuelle Ausstellung "Gretchen mag's mondän" im Münchner Stadtmuseum. Über 150 Ausstellungsstücke, darunter Abendmode, Negligés, Taschen, Schuhe und Schmink-Utensilien, beweisen, dass die Münchner Mode der Dreißiger Jahre vielfältiger und mondäner war, als wir es uns heute vorstellen können. 
 

Entgegen unserer heutigen Erwartungen schätzten die Münchnerinnen der Dreißiger Jahre den eleganten Flair internationaler Mode und beoabchteten auch während der Hochphase der Nazi-Ära aufmerksam, wie sich die Modetrends in anderen Ländern entwickelten – absolutes Modevorbild war hierbei übrigens Frankreich. Diese neuen Trends, inspiriert durch Pariser und Wiener Mode, wurden von vielen deutschen Frauen (gerade in größeren Städten) mit Begeisterung aufgefasst und auf den Straßen, in Cafés und Restaurants zur Schau gestellt.




Es scheint paradox, dass diese Vorliebe für internationale, europäische Mode von der NS-Partei nicht nur weitgehend gebilligt, sondern sogar unterstützt wurde. Erstaunlicherweise spielte die deutsche Modebranche eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Aufschwung des Landes, sodass 1931 sogar die Deutsche Meisterschule für Mode in München gegründet wurde. Zusätzlich propagierte das NS-Regime selbst nach Kriegsausbruch weiterhin seine "Weltoffenheit" – und die eleganten, modischen Großstadt-Frauen in ihren Pelzmänteln und Seidenkleidern verkörperten dieses angeblich mondäne Deutschland ideal.




Einige modische Exemplare dieser Weltlichkeit wurden nun liebevoll vom Münchner Stadtmuseum restauriert und können noch bis zum 29. Mai 2016 besichitgt werden. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Modeliebhaber, sondern auch für alle, die sich für Münchens Stadtgeschichte interessieren – denn die ausgestellten Kleider, Mäntel und Schuhe erzählen ihre ganz eigenen Geschichten über die Münchner der Dreißiger Jahre. 

von Caroline Giles  
Fotos: (c) Münchner Stadtmuseum  

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