Donnerstag, 14. April 2016

Aufgewacht!



Studien zu Folge ist ein Durchschnittsbürger nur bei der Hälfte all seiner Betätigungen voll bei der Sache. Will heißen: Zu fast 50% unserer Lebenszeit schenken wir dem Malstrom unserer Gedanken mehr Aufmerksamkeit als unserer Tätigkeit, uns selbst, unserem Leben! Darüber hinaus vermutet Matt Killingsworth, ein Forscher der Harvard University, dass wir in diesem Stadium der Unaufmerksamkeit auch noch signifikant unglücklicher sind, Ergebnissen der ausgewerteten Selbstreflexionen tausender Nutzer seiner App Track your happiness nach. Wir verpassen also nicht nur große Teile unseres Lebens, sondern verschließen uns gleichzeitig einer Fülle positiver Emotionen. Nicht grundlos predigten die spirituellen Führer aller Epochen den Fokus auf das Hier und Jetzt als die Quelle von Zufriedenheit und Sinn. Achtsamkeit heißt das Zauberwort, eine Lebenslektion, derer man sich doch schon in kleinen Schritten nähern kann. Vergiss da am Besten erstmal das Meditieren im Lotussitz zu Räucherstäbchenrauch und Mantragesängen.  Es geht viel einfacher. Mach, was du immer machst, nur – zur Abwechslung – bewusst. Wie riecht die Zahncreme beim Zähneputzen? Wie schmecken die Erdbeeren in deinem Frühstücksmüsli? Wie fühlt es sich an, wenn die Sonne sachte deine Haut streichelt, während du zur U-Bahn hetzt? Wie fühlst du dich dabei? Mach mal die Augen auf, sieh hin, schenke nach und nach, den kleinen Schauspielen des Alltags wieder Beachtung. Vielleicht suchst du dir ein Ereignis aus, das dich immer wieder wecken soll, oder du gönnst dir bei deiner Zeitplanung für jede Tätigkeit eine zusätzliche Minute – nur zum Erleben.

Mach mal die Augen auf, ein günstigeres Wellnessprogramm gibt es nicht.     

von Johannes Stark
Foto: Sabrina Braun

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