Mittwoch, 6. April 2016

Grenzen durchbrechen - Deafheaven im Feierwerk


Letzte Woche haben Deafheaven (mal wieder eine dieser Bands, die "sich in kein Genre zwängen lässt") München auf ihrer Europa-Tour einen Besuch abgestattet. Die 2010 in San Francisco gegründete Band durfte vor drei Jahren ihren Durchbruch mit dem Album Sunbather feiern, welches von Kritikern in den Himmel gehoben wurde und der Band eine beachtliche Fanbase beschert hat. Eine Fanbase, die man durchaus als bunt gemischt bezeichnen dürfte. Deafheaven spielt nämlich zuerst einmal Metal (Metaler? Check), ihr erstes Label war das von den Hardcore-Pionieren Converge gegründete Deathwish (Fans aus der Hardcore-Szene? Check) und dann ist da natürlich noch die Tatsache, dass in die Musik Elemente aus Shoegaze und Post-Rock eingearbeitet sind (Fans aus der Indie- oder ähem.. Hipster-Szene? Check). Genau diese drei Typen waren dann beim Konzert im Hansa 39 auch ganz homogen verteilt anzutreffen. 
Nachdem die Band den Soundcheck noch selbst vorgenommen hat, ging's dann los mit Brought To The Water, dem ersten Song vom im letzten Jahr erschienenen dritten Studioalbum New Bermuda, das den Stilmix in beide Richtungen ausgedehnt hat: Zum Einen wurden die Metal-Einflüsse noch deutlicher betont, zum Anderen konnte man dann aber sogar Einflüsse wie Wilco und Oasis raushören. New Bermuda hat mich persönlich so sehr überzeugt, dass ich es guten Gewissens mein Lieblingsalbum 2015 nennen kann (und das trotz großartiger neuer LPs von Tame Impala und Foals) Umso mehr gefreut hat mich dann die Tatsache, dass Deafheaven das Album auf dem Konzert im Ganzen gespielt haben. Live haben die Songs dann sogar noch mehr Wucht, was in erster Linie den wirklich großartigen und technisch einwandfrei spielenden Musikern zu verdanken ist. Respekt insbesondere an den Schlagzeuger und an den Sänger, die durch sieben 10-Minuten Songs preschen wie nichts.

Ich bin mir fast sicher, dass viele, die vielleicht nicht unbedingt an härtere Musik gewöhnt sind, besonders vom "Gesang" hier abgeschreckt werden, und das ist auch in Ordnung, aber es ist einfach unendlich erfrischend zu sehen, dass die Jungs hier auch in der Indie-Szene so gut ankommen und frischen Wind mitbringen, der wirklich bitter nötig ist.

Setlist:
Brought To The Water
Luna
Baby Blue
Come Back
Gifts For The Earth 
Sunbather
Dream House

Hier die Playlist zum Reinhören:

von Bruno Wolf
Foto: Bruno Wolf 

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