Freitag, 8. April 2016

Konzert Tipp - Isolation Berlin





AnnenMayKantereit und Wanda waren gestern. Jetzt verdreht uns eine Band aus der Hauptstadt den Kopf- macht euch bereit für  Isolation Berlin.

Mit ihrem Debütalbum Und aus den Wolken tropft die Zeit ist die Band derzeit auf Deutschlandtour und macht zum Glück auch Halt bei uns in München. Der Bruch einer Beziehung. Schlussstrich ziehen. Alles hinter sich lassen und in die Großstadt ziehen. Auf die Suche nach Veränderung und Neuanfang gehen ohne zu wissen, was kommt.


Klingt erstmal sehr romantisch und fast schon unzeitgemäß, wo wir doch heutzutage nach der ultimativen Perfektion streben, keine Zeit verlieren können und Ungewissheit und Zukunftsängste nur Störfaktoren in der makellosen Vita sind.
Tobias Bamborschke machte Schluss mit der Freundin, dem Stress, dem Druck und seiner damaligen Heimat Köln. Mama Berlin sollte es sein, die mit ihrer Fähigkeit, gestrandete Seelen aufzufangen, das geeignete Pflaster für den jungen Mann bilden sollte. Berlin, wie es eben ist, verschlang Bomborschke und wollte ihn so schnell nicht mehr loslassen. Er lernte an einem Kneipenabend den Gitarristen Max Bauer kennen und aus der Männerfreundschaft wurde der Grundstein für die Band Isolation Berlin, der sich später auch der Schlagzeuger Simeon Cöster und der Bassist David Specht anschlossen.


Im Februar veröffentlichten sie ihr erstes Album Und aus den Wolken tropft die Zeit gemeinsam mit Berliner Schule/Protopop, auf dem man eine Zusammenstellung der alten Lieder der Band finden kann. Hör dir das Album an und du fühlst dich in eine Zeit versetzt, in der Musik noch das Sprachrohr des Protests und der wahren Gefühlslage war: Ehrlich, Unkommerziell, Unkompliziert. Nach Zigarettenrauch und Bier stinkend. In versteckten, kleinen Kneipen auftretend. Auf der Bühne diese Band und wir singen die Texte mit so laut wir können, weil wir uns verstanden fühlen. Die melancholischen Themen ihrer Lieder spiegeln eine Generation wieder, die viel zu abgeklärt ist, um an Dinge wie die wahre Liebe zu glauben. Man fühlt sich enttarnt als Konsument der Ware Leben. So heißt es im Opener Produkt: „Ich bin ein Produkt, ich will dass man mich schluckt, dass man mich konsumiert, sich in mir verliert“.

Und später in Verschließe dein Herz klingt das Misstrauen gegenüber unserer Gesellschaft, unserer Mitmenschen, an: „Vertraue nur dir selbst. Sie werden es missbrauchen, nicht weil sie es so wolln‘- weil sie nicht anders könn‘“. Sie halten uns den Spiegel hin und wir sehen, dass der eigene Egoismus und die Endlosigkeit der Möglichkeiten in unserer Welt uns selbst zu diesen Menschen gemacht haben. „Und zu Hause wartet treu die Depression“ (Aufstehen, Losfahren), weil wir mit dem, was wir haben und sein dürfen unzufrieden sind. Der treue Gefährte in der Suche nach Glückseligkeit ist konstant, wie eigentlich schon bei unseren Eltern und Großeltern, der Alkohol. Und so stellen auch Isolation Berlin im Lied In manchen Nächten die entscheidende Frage: „Bin ich Poet oder einfach nur besoffen?“.

Die eigenwilligen Texte transportieren Frust, Enttäuschung und Wut über gescheiterte Beziehungen, das Leben und die Umwelt auf eine Weise, die Kritiker mit Legenden, wie Rio Reiser vergleichen.
Doch die Vergleiche, die die Medienwelt bei der Zuordnung der Band zu einer bestimmten Richtung vornimmt, sind mühsam und können die Musik von Isolation Berlin eigentlich gar nicht fassen. Sie bewegen sich in der Richtung Postpunk und Indierock, wobei die Band ihren Stil selbst als „Protopop“ bezeichnet. Wir müssen sie ja eigentlich keinen Mustern zuordnen, sie weder zu mehr, noch zu weniger machen, als sie sind. Wir können einfach mit einem Augustiner in der Einen und einer Kippe in der anderen Hand ganz in der Isolation Berlin versinken.

Also nichts wie los und am Sonntag mal statt den Tatort zu schauen, in die Hansastraße fahren und mit den Jungs aus der Hauptstadt gemeinsam die Alltagsmelancholie feiern.

Isolation Berlin im Feierwerk
Sonntag, den 10. April 16
Einlass: 20:00h | Beginn: 21:00h
Location: Hansa 39
Support: Der Ringer


von Miriam Fendt
Fotos: Staatsakt


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