Montag, 6. Juni 2016

Die Heldenkrankheit


Ein Versuch der Schaffung eines satirischen, einem Drama ähnlichen Kurzschauspiels mit tragischem Ausgang, das sich jedoch selbst als Objekt (und seinen Inhalt als Subjekt) nicht ganz so ernst nimmt, wie es, angesichts der Tatsache des vorhandenen Realitätsmöglichkeitsfaktors, gelegentlich eigentlich manchmal tun sollte, sofern man es als Leser richtig versteht oder nicht versteht.

Zu den Personen:
Person 1 unterhält sich mit Person 2
Person 2 unterhält sich mit Person 1
Person 3 geht spazieren ehe er sich ins Gespräch von Person 1 und Person 2   einmischt


Winter. Person 1 und 2 unterhalten sich in einem eigentlich unwichtigen Park zu einem unwichtigen Zeitpunkt miteinander über das eigentlich unwichtige Wetter, bis ein eigentlich unwichtig erscheinender Mann, Person 3 an den anderen vorbeigeht und ein eigentlich uninteressantes Gespräch mitbekommt.


Person1: Ja was soll denn das?
Person2: Schnee im April. Schrecklich!
Person1: Die Landschaft weiß bedeckt und kühl. Noch viel schlimmer!
Person3: Ja und? (Person 3 war stehen geblieben.)
Person 1 und 2 blicken entsetzt zu Person 3.
Person3: Ja und ….warum beschwert ihr euch denn heute nur so über das Wetter? Mögt ihr den Winter etwa nicht? Oder habt ihr nur Genug von der Tatsache, dass das Wetter euch/der Erde auf der Nase herumtrampelt? Selbst schuld seid ihr, selbst schuld! Ihr lasst euch beherrschen vom Wetter, richtet euch nach ihm, nehmt es hin und bei den ersten Anzeichen des weißen Matsches holt ihr schon wieder den Wintermantel und die Handschuhe raus! Ja schämt ihr euch denn gar nicht……Lenzverräter seid ihr, Lenzverräter. Lasst euch eure Kleidung diktieren vom Winter, einer Jahreszeit, lächerlich. Erhebet euch gegen diese Knechtschaft des Wetters, liebe Kameraden, seid nicht dumm wie diese Gut-Wetter-Menschen, die sich freiwillig den Jahreszeiten unterwerfen, nur im Sommer sich knapp bekleidet sonnen und nur im Winter verhüllt und vermummt zitternd umherlaufen. Nur………nur dann und dann. Wollt ihr euch, Kameraden, wirklich mit einem NUR zu Frieden geben??? Bestimmt nicht, denn euer Instinkt, eure INNERE NATUR, die euch vorantreibt, will es nicht anders, als dass ihr euch der ÄUßEREN, der falschen, NATUR entsagt. Verbrennt eure Wintermäntel, eure Pudelmützen, die noch dümmer aussehen, als das Vieh selbst, und eure Handschuhe, die eure Hände grob und stumpf wirken lassen. Sie sind nichts weiter als die billigen Lakaien unseres gemeinsamen Feindes, des Winters. Und wenn ihr euch ihrer entledigt habt, dann seid ihr frei und geht mit höchster Nase durch den Schnee wie Gott euch geschaffen hat. Und wer dann erkrankt, der ist nicht wirklich krank, den will der Winter nur Strafen für sein Aufbegehren!!! Doch ihr müsst anders denken, Kameraden, wenn ihr Zuhause liegt mit trockener Kehle und noch trockenerem Husten, mit Schüttelfrost, mit 40 Grad Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und euch die Seele aus dem Leib kotzt und scheißt, dann seid ihr es nicht, weil ihr die Lakaien des Winters an euch tragt sondern aus Überzeugung! Dann und NUR dann seid ihr wahre Helden. Darum ist diese Grippe auch keine Grippe sondern eine wahrhaftige Heldenkrankheit, die man nicht durchleidet, sondern genießt mit dem Wissen, dass man sich so der Natur überordnet!
(Stille.)
Person 1 und 2 schauen sich nun gegenseitig an.
Person 1: Ich bin hin und weg von diesem rebellisch-antinaturellen Gedanken, er muss weiter verbreitet und vor allem unterstützt werden!!! (Zieht sich nackt aus.)
Person2: (Beobachtet überrascht die Aktion seines Gegenübers, wendet sich Person 3 zu:) Dieser Ansatz scheint mir etwas radikal aber ich finde sie könnten mit ihren Thesen durchaus nicht ganz falsch liegen, aber warum sind denn sie dann nicht wie Gott sie geschaffen hat, nicht gekleidet?
Person3: Stellen sie etwa meine Überzeugung der Sache gegenüber in Frage, sie Lump?! Ihnen werd' ich helfen! (Geht auf Person 2 los.)
Person 1: (Zu sich selbst:) Ja was soll ich denn machen, soll ich dieses unfaire Benehmen dulden oder nicht? (Hält kurz inne und meint dann entschlossen:) Nein das geht zu weit! (Rennt zu den beiden und drischt mit Person 3 auf Person 1 bis diese tot ist.)


ENDE

von Max Karg 



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