Dienstag, 13. September 2016

Musik Review: Local Natives - Sunlit Youth



Endlich. Nach zwei LPs, die zwar bewiesen haben, dass Local Natives eine tolle Band sind und großartige Songs schreiben können, ist hier endlich das konsistente Album, das mehr ist als die Summe seiner Songs. 

Wie der Titel schon vermuten lässt, zelebriert Sunlit Youth die sonnigen Tage des Jahres und klingt dementsprechend optimistischer als der von Trauer gezeichnete Vorgänger Hummingbird. Das Album eignet sich hervorragend als Soundtrack für einen Tag am Strand, oder wenn man gerade keinen Strand in der Nähe hat, auch an der Isar, aber man würde der ganzen Vielfalt, die sich hier bietet nicht gerecht, wenn man sich die LP nicht auch einmal in Ruhe mit guten Kopfhörern anhört. Die Produktion ist nämlich ein wahrer Ohrenschmaus voller Details, der sich einem erst mit wiederholtem Hören offenbart. Auf Sunlit Youth stößt zum ersten mal Ryan Hahn, als dritter(!) Sänger zu Kelcey Ayer und Taylor Rice und trotz dieser Menge an Songwritern und dem daraus resultierenden Abwechslungsreichtum klingt alles wie aus einem Guss. Insgesamt ist der Sound der Band deutlich elektronischer geworden, was schnell auch mal schief gehen kann, hier jedoch gekonnt umgesetzt wird, um die Wirkung der Songs noch zu verstärken.
Wenn man beispielsweise Dark Days hört, weiß man, wie sich die Atmosphäre der wenigen wolkenverhangenen Tage in Süd-Kalifornien anfühlt, ohne je selbst dagewesen zu sein. Der Song Jellyfish erinnert mit seinen sanften Synthesizer-Klängen an Kid A von Radiohead (den Song, nicht das Album) und  Sea of Years ist mit diesem herrlichen Gitarren-Hook im Refrain ein Paradebeispiel von einem Album-Closer. Einzig Fountain of Youth trübt das Bild ein wenig mit einem Chorus, der einem ohne Vorwarnung regelrecht ins Gesicht geschmissen wird.

Local Natives zeigen mit Sunlit Youth, dass man mit jeder Menge Talent zum Songwriting und an den Instrumenten auch ohne Major Label im Rücken ein 1A Pop-Album zaubern kann, ohne dabei die Indie-Wurzeln zu vernachlässigen.



von Bruno Wolf




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