Montag, 24. Oktober 2016

Review "Harry Potter And The Cursed Child"





 
Ich sitze in einem bequemen, roten Sessel. Gerade habe ich ein Mädchen mit einem Slytherin-Schal gesehen und draußen vor dem Theater eine Frau mit einem Hufflepuff-Schal. Und gefühlt zwanzig Menschen mit einem Gryffindor-Schal. Wir sind alle aus dem selben Grund hier: Die Geschichte des Jungen, der überlebte, geht endlich weiter. 
Ich bin aufgeregt und schaue jede zwei Minuten auf die Uhr. Tausend Fragen schwirren in meinem Kopf umher.  
Was wird gleich passieren? 
Wie wollen sie Zauberei auf der Bühne darstellen? 
Was wird man über die neuen Figuren erfahren, Harrys Sohn Albus und Dracos Sohn Scorpius?  
Das Palace-Theatre in London, in dem „Harry Potter And The Cursed Child“ aufgeführt wird, ist ein altes, wunderschönes Gebäude. Perfekt, um die richtige Atmosphäre für das Stück zu schaffen. Langsam füllt sich der Saal und ich werde immer ungeduldiger. Ich fühle mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Eigentlich habe ich schon viel länger als diese halbe Stunde auf das, was gleich auf der Bühne passieren wird, gewartet. Um genauer zu sein, sind es neun Jahre seit der deutschsprachigen Buchveröffentlichung von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. Und das Stück knüpft da an, wo J.K. Rowling damals ein vorläufiges Ende gesetzt hat: 19 Jahre später. 19 Jahre nach dem Kampf um Hogwarts. 19 Jahre nach Voldemorts Untergang. 19 Jahre nach dem Tod von Fred Weasley, Remus Lupin, Severus Snape und so vielen anderen. (Falls ich jetzt jemanden gespoilert habe: ERNSTHAFT?) 


Die nächste Generation ist auf dem Weg nach Hogwarts und ich bin mittendrin. Der Vorhang hebt sich und Kings Cross Station ist zu sehen. Reges Treiben. Kinder lachen und laufen durcheinander. Und da ist Harry Potter! Und Ron und Hermine! Und schon treibt es mir die ersten, nostalgischen Tränen in die Augen. Ich bin in diesem Moment so dankbar, dass ich jetzt hier sein kann und zusehen darf, wie J.K. Rowlings magische Welt erneut lebendig wird. Und dann ist zum ersten Mal Harrys Sohn Albus zu sehen und die Tochter von Ron und Hermine, Rose. Ich will eigentlich nicht zu viel über die Handlung sagen, immerhin ist das Stück im Moment leider nur in London zu sehen (es wird Zeit für eine Verfilmung!). Und das muss auch nicht sein. Man kann auch ohne den größten und unglaublichsten Plot-Twist der Geschichte zu verraten (ich bin jetzt eigentlich immer noch sprachlos), viel über das Stück erzählen. Mir ist vor allem aufgefallen, dass es Tiefgang hat. Natürlich ist es unglaublich witzig (ich liebe J.K. Rowlings Humor → Fred und George!?), aber es sind vor allem die ehrlichen und menschlichen Momente, die „Cursed Child“ so besonders machen. Beispielsweise gibt es ein Gespräch zwischen Harry und Draco, das einem Gänsehaut über den Rücken jagt. Und zwar nicht, weil sie einmal mehr versuchen, sich gegenseitig umzubringen, sondern weil sie kurz ihre Feindschaft vergessen, um das Richtige für ihre Kinder zu tun. Und dann ist da noch Scorpius Malfoy. Ein Junge, den man einfach ins Herz schließen muss. Er ist witzig, klug und liebenswürdig, aber vor allem ist er ein treuer und guter Freund. Man spürt förmlich wie die Sympathie für ihn im Theatersaal schwebt. Albus Potter ist nicht weniger interessant. Ein wichtiges Detail ist, dass er scheinbar nicht in vielen Dingen nach seinem Vater kommt. (Ich könnte jetzt so richtig spoilern, aber…)  



Generell kann man alles an diesem Stück loben: Die Schauspieler, die Technik, die Kostümbildner. Jedes Detail an „Cursed Child“ wurde mit viel Liebe und Geduld erarbeitet. Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich die ganze Sache viel zu subjektiv angehe und außerdem sowieso beeinflusst bin, weil ich ein Riesen-Harry-Potter-Fan bin, tja, dazu möchte ich nur sagen: Ich bin in allen Punkten schuldig. Aber auch wenn man Harry Potter‘s Welt öde und blöd findet, sollte man die Leistung der Beteiligten anerkennen. Ich bin mir auch sicher, dass „Cursed Child“ nicht nur in mir eine ganze Palette von Emotionen auslöst, das Publikum im Saal lacht, seufzt, zieht die Luft erschrocken ein und weint. (Ja, ich habe die Tränen gesehen, Person neben mir!)  

Am Schluss des Stücks geht man zum Anfang zurück, zum Anfang der Geschichte von Harry Potter und erlebt Dinge, die sein Leben verändert haben. Und nicht nur der Zuschauer, auch Harry selbst, wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Auf eine sehr schmerzliche und berührende Weise… Mir bleibt nicht viel zu sagen, weil Worte manchmal einfach nicht beschreiben können, was in einem vorgeht, wenn man in die Welt von Harry Potter eintaucht. Aber ich kann nur jedem raten, das Skript zu kaufen, Hals über Kopf nach London zu fliegen oder auf eine Verfilmung von „Cursed Child“ zu hoffen. Als echter Harry Potter Fan bin ich einfach unendlich froh und dankbar, dass ich dabei war. 

von Carina Eckl  


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