Sonntag, 20. November 2016

Wer hast das Kopftuch erfunden?


Wenn man zurzeit von den Inhalten mancher politischer Debatten hört, wundert man sich doch wie schnell Menschen vergessen.
Dieser Beitrag soll eine kleine Anregung sein, weniger über andere zu urteilen, und stattdessen zu reflektieren, was man als die „eigene“ Geschichte betrachtet. Drehen wir die Uhren zurück!

Vor nicht einmal 100 Jahren war es völlig normal für Frauen, auch in Deutschland, Kopftücher zu tragen. So manche ältere Dame tut das heute noch. Ebenso war es vor nicht einmal einem Jahrhundert üblich, dass Frauen beim Baden lange Kleider trugen.
Wo wir bei Frauenrechten sind: Erst vor knapp 100 Jahren erhielten deutsche Bürgerinnen das Wahlrecht und wurden dann 30 Jahre später endlich auch rechtlich dem Mann gleichgestellt. Erst vor 40 Jahren wurde Frauen auch nach einer Scheidung noch eine Lebensperspektive zugesichert.
Auch der Zustrom von ungefähr 7,7 Millionen Flüchtlingen aus ehemals ostdeutschen Gebieten vor 70 Jahren wird oft unterschätzt. Dabei gab es durchaus auch religiöse Differenzen, wenn man sich all die evangelischen Ankömmlinge im katholischen Bayern vorstellt. Die „Überfremdung“ war dabei nicht nur ein Nachbarschaftsthema, sondern kam mit der Einquartierung von Fremden in viele Haushalte auch in die eigenen vier Wände.
Einwanderungsland ist Deutschland spätestens seit vor 60 Jahren hunderttausende sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland eingeladen wurden. Vor 25 Jahren erreichte die Migration dann einen Pik, mit 440000 Flüchtlingen im Jahr 1992, die mit dem Hintergrund des Balkankriegs in Deutschland Asyl suchten. Zum Vergleich waren es im letzten Jahr gerade mal doppelt so viele und heuer deutlich weniger.
Auch die Idee der Grenzschließung ist nicht besonders innovativ. Mit dem Schengen-Abkommen vor 25 Jahren wurden die Grenzkontrollen innerhalb Europas ja erst abgeschafft.
Und wo wir gerade bei Europa sind. Die Europäische Union und damit den Frieden in Europa gibt es auch erst seit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vor 60 Jahren. Meine Oma hingegen hat noch Zeiten erlebt, in denen es zum guten Stil gehörte, was manche heute wieder lautstark fordern: dass man Menschen loswird und einem dazu alle Mittel recht sind. 

von Johannes Stark  


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