Dienstag, 20. Dezember 2016

Sinn des Lebens



Eine Frage, mit der sich wohl jeder Mensch früher oder später beschäftigt: Wo liegt der Sinn der Lebens? Wo liegt der Sinn des Lebens im Allgemeinen? Doch darüber hinaus: Was ist der Sinn meines Lebens, meines eigenen Lebens? Welche Dinge haben oberste Priorität, stehen auf meiner persönlichen Liste ganz weit oben? Durch die subjektive Klassifizierung ‚bedeutender‘ für jeden einzelnen, distinktiven Einschätzung ‚wichtiger Werte‘, geknüpft an die von jedem selbst festgelegten Ziele im Leben, nimmt die Frage nach dem Sinn des Lebens eine weitaus abstraktere Stellung ein, als wir annehmen können. 

Nicht nur die subjektiven Prioritäten, Einstellungen, Werte und vor allem das subjektive Gedankengut eines Wesens kann uns eine Antwort auf diese Frage geben. Zunächst gilt es die Frage zu beantworten: Gibt es überhaupt den einen, diesen einen und nur diesen einen Sinn des Lebens? Diesen einen Sinn des Lebens der es uns erlaubt am Ende unserer Tage sagen zu können: Ich habe ihn erreicht. Ich habe gelebt. Oder ist das alles nur vollkommener Schwachsinn? Was ist wenn es diesen einen Sinn des Lebens überhaupt nicht gibt? Haben nicht gesellschaftliche Vorgaben und Äußerungen der Menschen in unserem Umfeld eine Macht über uns? 
 
All diese Fragen erschweren es uns eine explizite Antwort auf die Frage, wo der Sinn unseres Lebens liegt, zu finden. Allerdings gibt es einen Punkt, der uns allen Gemein ist: Das Streben nach Glück. 
 
Schon Aristoteles behauptete, dass das größte Gut im Leben eines Menschen das Streben nach Glück sei. Jeder einzelne von uns, jeder Mensch um uns herum, jeder Mensch in unserem gesamten Universum strebt also danach, glücklich zu sein. Bedeutet das also: Wenn ich am Ende meines Lebens sagen kann, ein glückliches Leben geführt zu haben, habe ich den Sinn des Lebens erreicht? 
 
Ja, eigentlich schon. Aber auch nur eigentlich.
Denn was bedeutet es denn in unserer heutigen Zeit ‚glücklich‘ zu sein.Was für eine Definition von Glück haben wir? Wir sind umgeben von Menschen, die ein Haus über dem Kopf haben, einen Job den sie mit Freude ausüben, die ein schönes Auto fahren, aber am bedeutendsten: Sie haben eine Familie - Kinder, Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde. Sie sind nicht allein. Sind geprägt von Halt, Unterstützung, Geborgenheit und besonders wichtig: von Liebe. Doch trotz allem, finden sie immer einen Grund, unglücklich zu sein. Unzufrieden mit ihrer Situation, unzufrieden mit sich selbst. Es entsteht eine Unzufriedenheit, die die Menschen nachts nicht schlafen lässt. Sie hinunter zieht. Sie kommen schließlich immer zu dem Schluss, dass eine Veränderung her muss. Eine Veränderung, die Dinge einschließt die sie noch nicht besitzen. Sie laufen also mit einer inneren Unruhe durch das Leben, die es ihnen nicht ermöglicht, ihre Gelassenheit zu finden. Sich Gedanken darüber zu machen, was sie doch schon längst besitzen. Was besitzen wir denn? 
 
Wir hier in Deutschland leben in einer Demokratie. Wir verfügen über eine Freiheit und das Recht, denken und sagen zu können, was wir wollen. Natürlich gibt es Grenzen. Grenzen und Gesetze, die es uns ermöglichen in einer gemeinsamen Gesellschaft zu leben. Aber an sich: An sich dürfen wir uns auch verhalten wie wir wollen. 
 
Ein weiterer Punkt, der nur indirekt unserer Seele dient und uns nur in gewissem Maß glücklich machen kann: das Geld. Selbst wenn Menschen kein Geld haben, leben wir nicht genau dafür in einem Sozialstaat? Menschen helfen einander. Sollten es zumindest. Und Menschen die ihre Existenz nicht von alleine sichern können, werden unterstützt. Denn das Recht glücklich zu sein, verliert niemand so leichtfertig. Und wenn man darüber nachdenkt, stellen uns also keine gesellschaftlichen Schranken eine Falle: Es sind wir selbst. Wir selbst schränken uns in der Ausübung unserer Taten, in unserem Ausleben des Glücks und unserem eigenen Dasein am meisten ein.

Denn jeder Einzelne von uns hört nicht auf zu vergleichen: Sich selbst zu vergleichen mit den Menschen, die nach Außen hin mehr zu besitzen scheinen.
Der Punkt ist doch, dass jeder einzelne von uns Tag für Tag nur damit beschäftigt ist, nach mehr Glück im Leben zu streben, dass er dabei das Allerwichtigste vergisst: zu leben. Und zwar wirklich zu leben. Sich selbst einzugestehen, wie viel er doch eigentlich besitzt. Das Problem was daraus resultiert, ist: Es gibt keinen Endpunkt der uns sagt: Du bist angekommen. 
 
Du hast den Sinn deines Lebens erreicht. Denn so viele Vorteile unser menschliches Zusammenleben auch bietet, beschäftigen wir uns zu wenig mit uns selbst. Zu wenig mit der Frage nach unserem persönlichen Ziel. Unseren persönlichen Erwartungen an das Leben. Wir haben aufgehört kleine Dinge, genau die Dinge, die das Leben gerade erst lebenswert machen, zu schätzen.
Der wahre Sinn unseres Lebens liegt also viel mehr darin, zu akzeptieren. Zu beleuchten. Nicht nach dem zu Streben, was als ‚gut‘ als ‚wichtig‘, als ‚Bestes‘ gilt. Es geht darum, den eigenen Frieden zu finden. Den eigenen Frieden, der es schafft, das Leben auszukosten. Ohne zu viel darüber nachzudenken, wo der Sinn denn überhaupt liegt. Wo wir eines Tages stehen wollen. Was wir noch erreichen wollen. 
 
Stell dich optimistisch ein. Geh mit der Einstellung durch das Leben, dass es immer einen Grund für die Dinge gibt, die dir widerfahren. Die dich von anderen Menschen absetzen.
Lerne das Leben aus einem anderen Winkel zu betrachten. Und zwar aus deinem ganz eigenen Winkel.
Lerne, dass nicht nur die guten Momente, Erlebnisse und Taten die Geschichte deines eigenen, persönlichen Lebens schreiben.
Lerne, dass der Sinn des Lebens, nicht an den Sinn des Lebens anderer geknüpft ist.
Lerne auf eine autonome und selbstbestimmte Weise, Dinge zu schätzen, die dein Leben bereichern. 
 
Es muss nicht zwingend immer für alles eine Definition geben. Gibt es Definitionen nicht letztendlich dafür, dass wir einen Maßstab haben? Einen Maßstab der dazu dient, uns das Leben zu vereinfachen. Nicht selbst über unseren eigenen Maßstab nachdenken zu müssen. Genau dieser Maßstab führt zwar dazu, dass wir beim ersten Hingucken erleichtert sind. Uns wird die Aufgabe selbst zu definieren, selbst zu Denken von der Standardisierung abgenommen. 
 
Doch genau diese Tatsache erschwert es uns im Grunde genommen, anzukommen. Es wird immer mehr und mehr Dinge im Leben geben, die wir erreichen wollen aber wenn wir ehrlich sind: gar nicht alle erreichen können.
Wir sind Menschen. Menschlich. Begehen Fehler, die uns im Leben eben nicht nur Abkürzungen gehen lassen. Wir gehen Umwege, sehr viele Umwege - steinige Wege in die Ferne, ins Ungewisse. Es ist nicht wichtig, wann oder ob wir ankommen. Denn wir sind schon längst angekommen.

Der Sinn des Lebens besteht also auch darin, glücklich und zufrieden mit sich selbst zu sein. Und einem selbst die Punkte vor Augen führen zu können, weshalb man schon längst allen Grund dazu hat, es zu sein. Es geht nicht darum darüber nachzudenken, wie man am besten zu leben hat: es einfach zu tun. Der Sinn des Lebens besteht also genau darin: Zu Leben. Und das kostbare Geschenk unserer Existenz und unseres Lebens dankend anzunehmen.

von Kimberly Macedo  
Illustration: Ivette Schmidt 

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