Donnerstag, 5. Januar 2017

Die besten Alben 2016 - die Favoriten der Redaktion






2016 war auch musikalisch gesehen ein turbulentes Jahr. Wir haben die Redaktion nach ihren Lieblingsalben gefragt.


Bruno:

1. Radiohead - A Moon Shaped Pool
2. Touché Amoré - Stage Four
3. Bon Iver - 22, A Million
4. Car Seat Headrest - Teens of Denial
5. Casey - Love Is Not Enough
6. Local Natives - Sunlit Youth
7. Klangstof - Close Eyes To Exit
8. Run The Jewels - RTJ3
9. Architects - All Our Gods Have Abandoned Us
10. Nails - You Will Never Be One Of Us
11. Frank Ocean - Blonde
12. Nicolas Jaar - Sirens

Nach über fünf Jahren Wartezeit, war es letzten Mai endlich soweit: Ein neues Radiohead-Album erscheint quasi aus dem Nichts, nachdem die Band kurz davor ihre gesamte Internet-Präsenz gelöscht hatte. Die "How To Disappear Completely"-Witze waren genauso unvermeidlich wie die Freude über die neue LP und die Erleichterung darüber, dass diese auch noch richtig gut war. Auch wenn Radiohead schon experimentierfreudigere Platten veröffentlicht haben, so hatten sie dieses Mal zumindest den Mut, ein Album zu machen, das schlichtweg schön ist - mit überwältigenden Ergebnissen: Von dramatisch orchestrierten Crescendos bis hin zur intimen Akustik-Ballade - besser könnte das keine andere Band nachmachen. Als absoluter Radiohead-Fanboy muss ich das zwar auch sagen, aber ich bin der Meinung, dass diese LP auch mit deutlich mehr Objektivität noch zu den klaren Highlights des Jahres 2016 gehört. 
 
 
Jonas:

1. Kvelertak – Nattesferd
2. Rival Sons – Hollow Bones
3. Amon Amarth – Jomsviking
4. Avenged Sevenfold – The Stage
5. Borknagar – Winter Thrice
6. Grand Magus - Sword Songs
7. Sabaton - The Last Stand
8. Black Stone Cherry - Kentucky
9. Gojira - Magma
10. Erik Cohen -Weißes Rauschen

Wenn eine norwegische Metal-Band sich in ihrer Landessprache 'Würgegriff' nennt, dann ahnt der geschulte Freund härterer Klänge bereits, was ihn erwartet. Dennoch schaffen es Kvelertak auf ihrem nunmehr dritten Album erneut durch ihre unvergleichliche Mischung aus Black Metal, Hardcore Punk und Rock n' Roll konsequent zu überzeugen. Besonders das krächzende Geschrei von Sänger Erlend Hjelvik (man glaubt beinahe der Klang entstammt dem anfangs erwähnten Würgegriff), die abwechslungsreichen, manchmal filigranen, oft fetzigen Gitarren-Riffs, die voran preschende Basslinie und der tosende Donner des Schlagzeugs verleihen dem explosiven Genre-Mix eine beneidenswerte Einzigartigkeit. Eröffnet wird 'Nattesferd' (deutsch: Nachtreise) vom gewohnt düster-bestialisch klingenden 'Dendrofil for Yggdrasil', einem ziemlich sonderbaren Titel, der die sexuelle Anziehung zum nordischen Weltenbaum benennt. Wer beim namengebenden Track an romantische Motive denkt, erlebt sein blaues Wunder, denn die 'Nachtreise' wirkt wie eine exzessive Autobahnfahrt mit dreihundert Stundenkilometern in einem Monster-Truck. Mein persönliches Highlight ist jedoch 'Ondskapens Galakse' (deutsch: boshafte Galaxie), ein gleichermaßen atmosphärisches, wie unbarmherziges Meisterstück, das seinem Namen alle Ehre macht. Einen würdigen Abschluss feiert das Album mit dem vorletzten Song 'Heksebrann' (deutsch: Hexenverbrennung), dessen martialischer Titel wohl kaum vermuten lässt, dass es sich hierbei um einen komplexen, instrumental genau ausgetüftelten und vor allem formvollendeten Geniestreich handelt.
 
Ilker:

1. The Weeknd – Starboy
2. Drake – Views
3. Ali As – Euphoria
Daft Punk, Kendrick Lamar, Lana Del Rey, Future – nein, das ist keine willkürliche Aufzählung von derzeitigen Topstars, sondern die Feature Gäste auf dem neuen Album „Starboy“ von The Weeknd.
Der 26 – jährige Kanadier ist mit seinem Hit „Starboy“ in den Top 5 sämtlicher Charts, gefeatured wird das Lied von Daft Punk. Die Ohrwurm-Hook und der meiner Meinung nach gegen den Strom schwimmende Beat, welcher den Charts endlich mal etwas Abwechslung bietet, machen den Song zu einem wahren Top-Hit.
Dennoch ist dieser Song nicht annährend der Beste aus seinem jetzigen Album. Wer also von diesem schon beeindruckt war, sollte sich unbedingt die restlichen Lieder anhören. „Sidewalks“ hat beispielsweise einen tollen und einprägsamen Beat, der sehr melodisch ist. Der Song „Secrets“ ist etwas poppiger, wobei The Weeknd es mal wieder schafft, ihn nicht nach Mainstream klingen zu lassen. Das beachtenswerteste Stück dieses Albums ist der Song „Die For You“. Ein Lied, auf dem Beat, Text und Stimme nicht passender zusammenspielen könnten. Es ist ein Liebeslied, aber auch hier schafft es The Weeknd, sich von der Masse abzuheben: Das Instrumental wirkt wohldurchdacht. Jeder einzelne Ton beweist, dass es zu dieser Stelle keine bessere Auswahl für die Melodie geben kann. Der Text beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten und der Treue des Liebeslebens, in welchem man zwar mit Fehlern und Problemen zu kämpfen hat, aber dennoch die Verbindung zum Partner niemals aufgeben kann und will.
Die Zeilen wirken überhaupt nicht „schnulzig“, sondern ehrlich. The Weeknd schafft es mit überzeugenden Worten und seiner gefühlvollen Stimme, dieses und viele weitere Lieder dem Hörer näherzubringen


 Caro:

1. Architects – All Our Gods Have Abandoned Us
2. Local Natives – Sunlit Youth
3. Drake – Views
4. Of Mice and Men – Cold World
5. Sia – This Is Acting

Do you remember? / Because I can't forget.
Das Album „All Our Gods Have Abandoned Us“ von Architects ist düster, nachdenklich und berührend. Es ist das letzte, an dem Gitarrist Tom Searle mitgearbeitet hat. Jeder einzelne Song jagt dem Hörer Gänsehaut über den Rücken und entführt ihn für eine Weile aus dem Alltag. Vor allem „Empty Hourglass“ und „Phantom Fear“ bestechen durch brillante Lyrics und eine melancholische Atmosphäre. Architects ist nicht nur eine talentierte Live-Band, sondern versteht sich auch darauf, unvergessliche Alben zu schaffen. 
 
 
Gregor:

1. Radiohead – A Moon Shaped Pool
2. David Bowie – Blackstar
3. Golf – Playa Holz
4. Mitski – Puberty 2
5. Ariana Grande – Dangerous Woman

Man kann ein Radiohead-Album bis in seine Moleküle zerteilen und analysieren, es in die über zwei Jahrzehnte lange Bandgeschichte einordnen, Querverweise herstellen und Brücken schlagen. Oder man kann die Augen schließen und es einfach geschehen lassen. Wie jedes Album der Briten funktioniert "A Moon Shaped Pool" sowohl als Forschungsobjekt als auch als Widerstandslosigkeit verlangende Musiklawine, je nach Gesinnung oder Laune. Klar ist nur, dass man mit beiden Methoden das Gefühl hat, diese einzigartige Band komplett neu zu entdecken – und dabei spielt es keine Rolle, ob man schon seit Jahren Fan ist oder ob man noch nie einen Radiohead-Song gehört hat, der nicht "Creep" hieß. Kein Album hat mir dieses Jahr mehr Kopfzerbrechen bereitet – und ganz bestimmt keines schönere Momente.


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