Mittwoch, 1. Februar 2017

Musik Review: Der Ringer - Soft Kill




Auch wenn man beim Namen der Band und dem in jeder Weise anti-ästhetischen Cover-Artwork vielleicht meinen könnte, es handle sich um einen Scherz, um eine Band mit lustigen selbst-ironischen Texten wie es sie in Massen gibt, wird jedem der sich "Soft Kill" ein paar Minuten anhört schnell klar, dass die Jungs aus Hamburg es im Gegenteil absolut ernst meinen. 
Zugegeben, die Musik von Der Ringer macht es einem mit der ungewöhnlichen Kombination aus Post-Punk und Auto-Tune-Vocals à la Kanye West erstmal nicht gerade leicht. Wenn man sich dann ein bisschen darauf eingelassen und verstanden hat, dass alles was man auf dieser, mit Effekten vollgepackten Platte im Dienste ihres Konzeptes steht und dass dieses Konzept kompromisslos durchgezogen wird, erschließt sich einem die ganze Genialität dieser Debüt-LP. 

Der rote Faden, der sich durch beinahe jeden Song zieht, ist der der Kälte: Auf den Opener "Orbit" ist es die Kälte des Weltraums, in "Frost" kann man die Eiskristalle förmlich spüren und auch sonst fehlt bewusst jede Form von menschlicher Wärme, die durch digitale Kühle ersetzt wurde. Die Lyrics, die leicht auch einfach nur seltsam rüberkommen könnten, werden vom Sänger der Band auf eine Weise vorgetragen, die ihnen jede Komik nimmt und stattdessen eine geradezu groteske Ernsthaftigkeit verleiht. Wer jetzt ein über alle Maßen düsteres Album erwartet, liegt jedoch falsch, denn trotz des ganzen konzeptionellen Ballasts, trotz all der Kälte haben Der Ringer ein unglaubliches Talent eingängige Songs zu schreiben, die dank großartiger Gitarrenriffs und einer perfekt angestimmten Rhythmussektion an keiner Stelle anstrengend wirken oder den Hörer überfordern. 
Wer jetzt Lust hat die Band auch mal live zu erleben, hat am 18.02. in München im Orangehouse die Gelegenheit dazu. 

von Bruno Wolf

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