Mittwoch, 29. März 2017

Von Nachrichten, die nie ankommen werden




Das dumpfe Licht der Sonne fällt auf den hölzernen Tisch am Fenster. Staub wirbelt durch die Luft. Sie sitzt einfach da und atmet.Was man von außen nicht sehen kann, ist trotzdem da. Ihr Daumen schwebt über dem Handydisplay. Die Gedanken stehen leer im Raum und verbrauchen die Luft. Immer die selbe Frage: Soll ich oder soll ich nicht? Wenn Wörter alles verändern können, dann wählt man sie mit Bedacht und sie hat sich den Kopf zerbrochen. Immer und immer wieder. Manche Dinge kann man nicht ausdrücken, nicht mit Worten, nicht mit Kunst. Dieses eine Mal reicht es nur, wenn er sich durch ihre Augen betrachten könnte. Sie tippt und löscht es wieder und gibt es auf. Für einen Augenblick, bis die Gedanken von Neuem anfangen, sich zu drehen. Sie weiß genau, was sie fühlt, aber wenn man es so leicht beschreiben könnte, wäre es wohl nicht echt. 

Ja, auch ich kann ihre Gefühle nie so zu Papier bringen, wie sie wirklich sind. Ich wühle in meiner Trickkiste voller Worte und kann doch nichts Wahres schreiben.

Ich habe Gefühle für dich“ steht plump und inhaltslos auf dem Display. Der Mut verlässt sie. Auch wenn wir uns im Klaren sind, dass es manchmal besser ist, inne zu halten und zu vergessen, flüstert eine ruhige Stimme in unserem Inneren „Gib nicht auf.“. Es ist die Hoffnung, dass eigentlich doch alles so einfach ist, wenn man nur dumm genug ist, ihr nachzugeben. Nur ein Klick zum Glück? Ist es so unkompliziert? Nein. Sie weiß, dass auf der anderen Seite der Kommunikationskette tausend mögliche Antworten warten, tausend mögliche Arten, verletzt zu werden. Aber auch tausend mögliche Glücksmomente. Ein Strom aus Worten schnürt ihr die Kehle zu. „Warum siehst du es nicht?“ schreibt sie und schüttelt den Kopf. Alles und nichts.

Das Schlimmste ist das Warten. Wenn die Nachricht in die Weiten einer digitalen Welt hinaus geschickt wurde, vergehen die Sekunden wie Stunden. Und aus diesem Grund wird sie die Nachricht nie abschicken. Die Nachricht wird nie ankommen. Tage und Nächte vergehen und das Gefühl quält sie weiter. Ein „Was wäre wenn“ steht leer im Raum und verbraucht die Luft. Immer die selbe Frage: Was wäre wenn? 

von Carina Eckl  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen