Donnerstag, 11. Mai 2017

Die Welt des Kinos - ein Interview mit Steven Gätjen





Steven Gätjen ist Moderator, Produzent, Sprecher und Kinoexperte. Wir haben mit ihm über die Welt des Kinos gesprochen.

Herr Gätjen, künftig wollen die Filmstudios die Filme schon siebzehn Tage nach dem Filmstart bei Amazon Video und anderen Anbietern streamen. Die Preise sollen zwischen 30 und 50 Dollar liegen. Würden Sie dann die Filme immer noch im Kino anschauen, oder wäre ein solches Angebot für Sie auch eine Alternative?
Es geht beim ins Kino gehen ja nicht einfach nur ums Filme schauen, sondern „erleben“. Man guckt gemeinsam: gruselt, lacht, freut, weint gemeinsam. Das kann man alleine zu Hause eher schwerer. Aber klar ist das ein Angebot, das eine weitere interessante Alternative bietet.
Es werden sehr viele Bestsellerbücher verfilmt. Gibt es ein Buch, dessen Verfilmung Sie gerne sehen würden?
Ich würde mich sehr freuen, wenn endlich Frank Schätzings „Der Schwarm“ den Weg auf die große Leinwand finden würde. Die Rechte sind ja angeblich schon lange verkauft und Uma Thurman gehörte mal zum Cast, aber passiert ist bisher leider noch nichts..
Sie waren bei der Sendung „Mensch Otto“ dabei, wo Sie uns Ihre Lieblingssongs verraten haben. Haben Sie auch einen Lieblings-Soundtrack?
Top Gun’, der ist so schön cheesy, aber auch so mitreißend oder ‚Breakfast Club’, weil der Film, die Atmosphäre und die ganze Story einfach genial sind.
Sie haben mit zahlreichen Stars Interviews geführt. Es wird die Meinung vertreten, dass erfolgreiche Menschen lockerer und entspannter sind. Wie haben Sie die Weltstars erlebt?
Das trifft in den meisten Fällen absolut zu. Wie hat mal jemand gesagt: es ist ein bisschen so wie bei Hunden. Die Großen sind gemütlich und träge und die Kleinen zickig und bissig. Bei den großen Stars merkt man einfach, sie wissen warum sie da oben stehen, nicht nur weil sie hart dafür gearbeitet haben, sondern auch weil die Fans sie auf ihrem Weg unterstützt haben. Tom Cruise, Will Smith und die meisten dieses Kalibers nehmen sich an den Teppichen dieser Welt viel Zeit und das finde ich bewundernswert und richtig.
Larry King hat einmal gesagt, dass, wenn er mit Autoren über ihre neuen Bücher gesprochen hat, er mit Absicht diese Bücher vor dem Interview nie gelesen hat. Gab es bei Ihnen Momente, wo Sie vielleicht aufgrund von Zeitmangel keinen Film vor dem Interview mit den Schauspielern angeschaut haben? Wenn ja, wie haben Sie das ganze Interview gemeistert?
Ja, diese Situationen hat es leider schon gegeben, auch wenn das komplett gegen meine Arbeitsethik spricht. In Interviews geht es darum, zuzuhören und nicht einfach Fragen rauszuschießen. Ich habe mich konzentriert und vermieden, eine Wertung des Films zu geben, oder so zu tun, als würde ich alles wissen.
Es ist sicher nicht einfach, während der Promotour dem Schauspieler, der schon vielmals zu dem Film befragt worden ist, eine interessante Frage zu stellen, die für ihn und für die Zuschauer gleichermaßen neu und interessant ist. Wie soll der Journalist in solchen Fällen beim Interview vorgehen? Ich kann mich daran erinnern, dass Matthias Schweighofer und Florian David Fitz während der Promotour Kinobesuchern ein Film-Plakat schenken wollten, mit Fragen darauf, die sie während der Promotour noch nicht von den Journalisten gehört hatten.
Das ist sicherlich ganz lustig und auch nicht ganz ernst gemeint. Das Verhältnis zwischen Filmschaffenden und Filmjournalisten basiert auf dem „Give and take“ Prinzip. Wir brauchen etwas und die brauchen etwas. Es gibt einfach Fragen, um die man nicht herumkommt. Die Frage ist nur wie man sie stellt und vor allen Dingen, was anschließend passiert. In einem interessierten Gespräch ergibt sich immer etwas Neues und Spannendes. Beide Seiten müssen aber akzeptieren, dass es immer die klassischen Fragen gibt und geben darf. Wie gesagt gut zuhören ist der Schlüssel zum Erfolg.
Sie moderieren unter anderem auch die Filmpremieren. In der letzten Zeit sind die Besucherzahlen in den Kinos bei den deutschen Filmen gestiegen. Hat das Ihrer Meinung nach mit besseren Drehbüchern, mit besseren Schauspielern oder mit einer besseren Vermarktung der Filme zu tun?
Hohe Qualität gab es schon immer im deutschen Kino. Wir schaffen es nur endlich mal eine größere Bandbreite an Themen ins Kino zu bringen und uns mehr zu trauen. Das ist ganz wichtig. Wir haben so unglaublich viele gute Leute und denen muss man eine Chance geben.
In diesem Jahr haben Sie die Stars erneut bei der Oscar-Verleihung auf dem roten Teppich interviewt. Wie würden Sie die Oscar-Nacht in drei Worten beschreiben?
Überraschend, bunt, spannend.
Als Leonardo DiCaprio für den Oscar für seine Rolle im Film „The Wolf of Wallstreet“ nominiert wurde, haben Sie damals gesagt, dass er den Oscar verdient, aber Matthew McConaughey würde ihn bekommen. Sie hatten Recht. Ist es heutzutage schwieriger, einen Oscar zu gewinnen als früher? Man muss ja manchmal neben der schauspielerischen Leistung auch eine körperliche Leistung erbringen.
Ich glaube es ist nicht schwieriger geworden, aber es gibt für mich ein paar typische Merkmale für eine Oscar ausgezeichnete Darbietung. Leo war wie eine Naturgewalt, aber der Film war angesetzt zwischen Komödie und Drama. Leo ist in der Figur verschwunden, ohne sein Äußeres zu verändern. Matthew ist das ebenfalls, aber er hat eine physische Verwandlung zusätzlich noch durchgemacht und unglaublich an Gewicht verloren, diese Selbstkasteiung beeindruckt die Mitglieder der Academy immer ungemein. Hübsch wird hässlich (Charlize Theron), Mann wird Frau oder Frau wird Mann, oder eben dick oder dünn. Die Leistungen sind trotzdem bemerkenswert, in dem Jahr war aber Leo für mich eindeutig besser.
Werden Sie irgendwann als Schauspieler vor der Kamera stehen?
Ich habe schon ein paarmal kleine Sachen gemacht, würde es gerne in Zukunft aber nochmal häufiger versuchen. Mal schauen was passiert.


von Sophia Katamadze
Foto: Yannick Wolff





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