Donnerstag, 18. Mai 2017

Mondschein




Am Himmel noch da scheint der Mond,
anteillos ist sein Geflimmer,
nach unten wo keine Seele wohnt,
nur in den Augen ruht ein Schimmer.

Dort wo einst die Wälder saßen,
stehen Städte nun herum,
wo die Zeit beginnt zu rasen,
wie alles dort beginnt sie stumm.

Und des Abends weint ein Kind
und des Nachts, da weint ein Mann
und dort zwischen all den Tränen
fragt man, wer noch weinen kann.

Und dann an einem trüben Morgen,
Wolken alles zieht mit Sorgen,
geweckt von grellem Neonlicht
erwacht ein Mensch ohne Gesicht.

In zähen Bahnen fließt die Straße
und auf ihr ziehen die Fahrer hin.
Alles dort besitzt ein Maße,
nur das Maß besitzt keinen Sinn.

Mitleidslos erstrahlt die Sonne,
die Uhr sie tickt und geht vorüber,
die Zeit sie kommt und kehrt nicht wieder,
nur der Staub, er tanzt mit Wonne.

Schneller werden alle Schritte,
nur der Mensch, er fällt zurück,
hastig verfolgt er seine Tritte,
Der Himmel, er verrutscht ein Stück.

Langsam rieselt Nacht wie Staub,
für all das Fauchen ist sie taub.
Und nur ganz leise scheint der Mond,
anteillos ist sein Geflimmer,
nach unten wo keine Seele wohnt,
doch sucht er noch nach deren Schimmer.

von Iris Wallnöfer 
Illustration: Ivette Schmidt

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