Montag, 31. Juli 2017

Der Beginn des Terrors - ein Rückblick auf die NS-Zeit




Das ist der Beginn des kommunistischen Aufstandes, sie werden jetzt losschlagen! Es darf keine Minute versäumt werden!“.

Durch den von Göring 1933 angekündigten angeblichen Beginn des kommunistischen Aufstandes beginnt eine große und impulsive Welle des Terrors und der Gewalt der NSDAP: Wilde Konzentrationslager, verstärkte Verfolgungen der politischen Gegner, zahlreiche Morde und willkürliche Anwendung von Gewalt und Terror gegen Andersdenkende gehörten nach der Machtergreifung Hitlers zum Alltag vieler Menschen.

Rückblickend haben die bis zum Kriegsende andauernden Gräueltaten der Nationalsozialisten in vielen Bereichen ihren Ursprung in den Geschehnissen des Jahres 1933: Die für die Machtsicherung eingesetzten Mittel wurden im Laufe der Zeit aggressiver und kontrollierter, außerdem fand sie ihre Legitimation in diesem Jahr. Im weiteren Verlauf des Jahres 1933 konnte die NSDAP ihren Terror systematisieren – die ersten Konzentrationslager für politische Gefangene wurden eröffnet und das Lager in Dachau als Vorbild für viele folgende genutzt.

Der Reichstagsbrand und seine Auswirkungen

Die radikale Ansprache Görings, die Kommunisten würden nun mit einem Aufstand beginnen, wurde von Hitler persönlich übertroffen: Wer sich nun der NSDAP in den Weg stelle, werde „niedergemacht“. Er prophezeit, dass das deutsche Volk „für Milde kein Verständnis“ haben werde. Außerdem befiehlt er, dass jeder kommunistische Funktionär „erschossen“ werden solle. Des Weiteren fordert er, dass die kommunistischen Abgeordneten „noch in dieser Nacht aufgehängt werden“ müssen. Was geschah in dieser Nacht, dass die Führungsetage der NSDAP zu solchen drastischen Worten griff, obwohl die „Gewalt von oben“ verstärkt den Legalitätskurs verfolgte?

Am Abend des 27. Februar 1933 steht das Reichstagsgebäude in Flammen. Der vermeintliche Brandstifter ist schnell gefunden: Der holländische Kommunist Marinus van der Lubbe wird verhaftet. Er habe das Feuer ausgelöst, weil er die Arbeiterklasse mobilisieren wolle.

Die bis heute ungelöste Frage ist, ob Marinus van der Lubbe der Brandstifter war oder die NSDAP das Feuer selbst gelegt hat. Die Nationalsozialisten als Urheber dieses Brandes zu beschuldigen, ist durch zwei Tatsachen sehr naheliegend: Schon am Nachmittag des 27. Februars wurden Verhaftungsaktionen für die darauffolgende Nacht in die Wege geleitet. Ein weiteres Motiv ist die Tatsache, dass der Reichstagsbrand sehr gut in die Karten der NSDAP spielte und langanhaltende Folgen verursachte.
Ein Tag nach dem Brand des Reichstages wurde die Notverordnung des Reichspräsidenten zum „Schutze von Volk und Staat“, auch „Reichstagsbrandverordnung“ genannt, verabschiedet. Sie war grundlegend für die Ausdehnung der Machtbasis des Regimes und stellt das Fundament eines bis zum Kriegsende andauernden Terrors.

Sie hob wichtige Grundrechte auf und ermöglichte es der Reichsregierung, die Länderregierungen ihrer Kontrolle zu unterwerfen. Die Verordnung zeigte die feindselige Haltung der NSDAP gegenüber den Kommunisten: So wird die Reichstagsbrandverordnung mit der „Abwehr von kommunistischen staatsgefährdenden Gewaltakten“ eingeleitet. Eine zentrale Rolle nimmt dabei Paragraph 5 der Reichstagsbrandverordnung ein: Durch diesen wurden Vergehen, die im äußersten Fall mit lebenslangem Zuchthaus bestraft worden sind, auf die Todesstrafe erhöht.

Nach den Massenverhaftungen, begründet durch den Reichstagsbrand, wurden erste Lager eingerichtet. Sie waren in erster Linie dafür gedacht, die hohe Zahl der Verhafteten unterzubringen, da Gefängnisse und Strafanstalten ihre Kapazitäten überschritten. Die Lager waren oft an improvisierten Orten stationiert, wie Turnhallen, Pferdeställe und Zentralen von feindlichen Parteien. Sie werden als „Folterzentralen“ bezeichnet. Die Lager waren außerdem auf privater Initiative örtlicher Faschisten gegründet, die dabei auch ihren persönlichen Rachegelüsten nachgingen - sie unterstanden also meist den Männern der SA.

Das Konzentrationslager Dachau im Jahr 1933

In der Auffassung von Heinrich Himmler waren die „wilden“ Konzentrationslager nicht effektiv genug, um die politischen Gegner mundtot zu machen. Er kündigte am 21. März 1933 im Völkischen Beobachter, dem Presseorgan der NSDAP, die Errichtung des ersten Konzentrationslagers mit einem Fassungsvermögen für 5000 Menschen in Dachau an. Dieses solle die „gesamten kommunistischen und soweit dies notwendig ist, Reichsbanner- und sozialdemokratische Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden“, zusammenziehen. Diese Leute würden weiterhin „hetzen und Unruhe stiften“.

Am Tag nach dieser Pressemitteilung im Völkischen Beobachter, welcher sich inzwischen bei großen Menschenmassen etabliert hatte, trafen die ersten Häftlinge in Dachau ein. Der wesentliche Unterschied zwischen den „wilden“ Konzentrationslagern und dem Konzentrationslager Dachau ist, dass Dachau ein staatliches Lager war.

So wurde das Lager in Dachau von Heinrich Himmler eingerichtet und zeitnah nach der Landespolizei von der SS geführt. Kurz darauf kam es schon zu den ersten Ermordungen: Die Todesursachen wurden teilweise mit „Selbstmord“ oder „Erschießung auf der Flucht“ begründet, die nach Untersuchungen nur bedingt der Wahrheit entsprachen.

Von Ilker Iscan
Illustration: Ivette Schmidt


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